Anonymes Bewegen im Internet: Anonymisierungsdienste

Hintergrund:

Hierzulande kritisieren Medienvertreter und andere immer wieder Chinas systematischen Kampf gegen eine freie Presse – und das zurecht. So ist es dort oft nicht leicht, regimekritische Informationen zu erhalten, da eine massive Überwachung und Zensur unter Zusammenarbeit mit großen westlichen Firmen wie Google und Yahoo stattfindet. (http://www.tagesschau.de/wirtschaft/meldung205232.html; zum Simulieren einer für China realistischen Surferfahrung empfiehlt sich der China Channel Plugin für Mozilla Firefox: http://chinachannel.hk/.)

Was interessiert mich China?

Dennoch sollte die reine China-Fixierung gelöst und dann auch ein Blick auf die BRD erfolgen. Bereits jetzt beabsichtigen die UN die ursprünglich chinesische Forderung des sog. IP-TraceBacks, also der Rückverfolgbarkeit aller Zugriffe auf Internetverbindungen, die mit verschiedenen Mitteln (etwa spezieller Hardware) unvermeidlich erreicht werden könnte (Vgl. http://www.taz.de/1/politik/schwerpunkt-ueberwachung/artikel/1/enttarnt-im-netz/ ) . Es sind jedoch auch hier in jüngster Zeit schon konkrete Vorhaben geplant, flächendeckende Kontrolle im Bereich der Internetkommunikation einzuführen. Etwa mittels eines elektronischen Personalausweises mit dem Angebot von Verifizierungsverfahren der Nutzer-Identität im Internet (Vgl. http://www.zeit.de/online/2008/42/elektronischer-personalausweis?page=all und http://www.daten-speicherung.de/index.php/e-ueberwachung-20-bundesregierung-will-anonymitaet-im-internet-verdraengen/) und der bereits stattfindenden Vorratsdatenspeicherung (= VDS), deren Verfassungsmäßigkeit immer noch in Karlsruhe geprüft wird.

Warum ist das so problematisch?

Damit wären Bestrebungen zu erkennen, die in ferner Zukunft anonyme Medienrezeption und anderes verhindern könnten und jede Bewegung im Internet verdachtsunabhängig und für längere Zeit festhalten würden. Wer wäre schon daran interessiert, bei jedem Zeitungskauf, dem Durchstöbern jener oder dem üblichen Stadtbummel minutiös an jeder Station Name, Adresse und Personalausweisnummer anzugeben? Oder etwa wenn er einfach nur ungestört mit jemandem irgendwo reden möchte? Im Internet geschieht dies teilweise bereits seit Beginn dieses Jahres.

Ohne mich…

Es ist daher zur Vermeidung solcher totalitärer Tendenzen essentiell, anonym auf Websites zugreifen zu können, ohne dass es möglich ist, das gesamten Repertoire an Medienrezeptions-, Kaufverhalten und weiterem etwa im Rahmen der Vorratsdatenspeicherung vollständig protokollierbar und analysierbar zu machen. Daneben kann es auch unabhängig von solchen politischen Erwägungen sinnvoll sein, seine IP - mithilfe derer es die Gegenseite (jeder Serverbetreiber, auch der eigene Internetprovider) oft leicht hat, an persönliche Daten des Nutzers zu kommen - nicht preiszugeben. Etwa wenn die aufgerufene Seite dubios erscheint und man dessen Betreiber seinen Standort und anderes nur ungern mitteilen möchte oder wenn man einfach keine Lust auf personalisierte Werbung hat.

Methodik:

Zum Zweck des anonymen Surfens ermöglichen es bestimmte Proxy-Server-Netzwerke, die Verbindungsanfragen auf Websites über zahlreiche zwischengeschaltete Server umzuleiten. Dabei werden diese Proxy-Server vom eigenen PC aus angesprochen, was die nachträgliche Aufdeckung der Identität erschwert oder (bei Nichtspeicherung) verunmöglicht. Die Anfrage an die ursprünglich gewählte Website selbst wird durch die Rechner des Proxy-Server-Netzwerks geleitet, bevor sie die gewünschte Website für den Nutzer aufrufen. Dieses geschieht durch mehrfache Umleitung nach dem Zufallsprinzip, wobei die Anfrage zerstückelt, nach Zufall gemischt (bei Tor) und beim jeweiligen Umleiten zwischen zwei Rechnern verschlüsselt wird. Nach dieser Zerstückelung, Mischung, den vielfachen Ver- und Entschlüsselungen, wird die Nachricht am letzten Server letztmalig entschlüsselt, zusammengesetzt und an die Zieladresse weitergeleitet.

Quelle: https://www.datenschutzzentrum.de/selbstdatenschutz/internet/grafik/datenspuren.png

Je mehr Anfragen nun erfolgen, desto schwieriger wäre es nun, potentielle Verbindungswege zurückverfolgen zu können. Ein Grund mehr zur Nutzung von Anonymisierungsdienste. Ebenso ist mit einer Zunahme der Anzahl von privaten Tor-Servern, die absolut jeder mit eigenem DSL-Anschluss betreiben kann, die Aufdeckung des Systems zusätzlich erschwert. Ein Grund mehr für die aktive Unterstützung von Anonymisier-Netzwerken.

Eine Rückverfolgbarkeit der aufgerufenen Website (durch wen auch immer) soll mit der aufgezeigten Methodik bereits nahezu unmöglich sein. Dabei ist zu erwähnen, dass die Nutzung folglich nicht nur recht sicher ist, um die eigene Privatsphäre zu erhalten, sondern auch hierzulande gesetzlich nicht verboten ist. Diese "Sicherheit" ist allerdings nicht absolut, da theoretische Probleme (z. B. Die Unterwanderung des Netzwerkes durch Behörden) wie auch praktische Probleme (z.B. das Erscheinen eingegebener Daten im Klartext im Exit-Node; sowie mangelhafte Browsereinstellungen) existieren. Dieses kann sich jedoch ändern, was überzeugte Nutzer nicht davon abhält, diese Dienste und andere weiter zu nutzen.

Bsp. (1): Funktionsweise des Tor-Netzwerks


Quelle: http://www.torproject.org/images/htw3_de.png

Bsp. (1): Funktionsweise des JonDonym-/Jap-Netzwerks


Quelle: https://www.jondos.de/de/images/jondonym.jpg